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Lehrkräften Gehör schenken

24 Lehrkräfte aus Mindanao erzählen ihre Geschichte

Die „Unterrichten im Lockdown“-Storys handeln von den ersten Monaten des Jahres 2020, als der Schulbetrieb auf eine bisher unbekannte Art und Weise eingeschränkt wurde. 24 Lehrer*innen aus den Philippinen erzählen, wie die Pandemie ihre Welt erschütterte und sie gleichzeitig herausforderte, sich zu verändern, aus ihren Komfortzonen herauszukommen und Innovationen zu entwickeln.
A teacher's home office desk filled with laptop and documents
© Samsel Rhys Pampilon

Im April und Mai 2020 sprach das Davao-Projektteam des forumZFD mit Lehrer*innen, um zu erfahren, wie sie mit dieser neuen Situation umgehen. „Unterrichten ist schwieriger denn je“, antworteten sie. Im Juli 2020 wurden die Erfahrungen der Lehrkräfte zusammengestellt und auf einer eigens dafür erstellten Facebook-Seite veröffentlicht. Dort konnten Lehrkräfte die Geschichte der anderen lesen und darauf reagieren. Viele merkten, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.

Noch im selben Monat trafen sich die Lehrer*innen zum ersten Mal in einem Online-Meeting. „Die Pandemie hat uns nicht verändert, sie hat uns offenbart!“. Jeder spürte es. Die Pandemie hat herausgeholt, was sich im Inneren aufgestaut hatte, ob Wut, Angst oder Ohnmacht. Aber auch Geduld, Pragmatismus und Standhaftigkeit.

Vor der Pandemie hatten einige Lehrkräfte den Wunsch nach einer Pause, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können. Nun sitzen sie den ganzen Tag zuhause und wünschen sich, zurück in die Schule zu dürfen. Andere wiederum arbeiten lieber von zu Hause aus, da sie nun nicht mehr zur Arbeit pendeln müssen. Aber für alle Lehrkräfte war es schwierig, keine klare Perspektive zu haben, wann und wie die Krise endlich enden wird.

Unterrichten ist schwieriger geworden
 

„Wir sind Technik-Assistent*innen geworden“, scherzt ein Lehrer. „Unsere Arbeit besteht nur noch aus Modulen, Arbeitsblättern und dem Beantworten von E-Mails von Schüler*innen, manchmal bis in die Nacht“.

Manche Lehrer*innen haben aus ihren Hobbys, z.B. der Gärtnerei, einen Nebenjob entwickelt. Die meisten kämpfen, um über die Runden zu kommen, weil die Klassen nicht voll sind. Sie geben zu, dass es ihnen nicht leicht fällt, ihren Gleichmut zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen. Die meisten sind mit Schuldzuweisungen eher zurückhaltend, weil sie wissen, dass dies eine verrückte und unberechenbare Zeit für alle Schulen ist. Sie geben ihr Bestes, ihre negativen Gefühle neutral zu verarbeiten, anstatt in Wut und Groll zu verfallen.

Insbesondere in schriftlicher Form wird mit Kritik zurückhaltend umgegangen. Bei der Fertigstellung der Geschichten von „Unterrichten im Lockdown“ mussten Teile mehrmals geändert werden, weil die Lehrer*innen der Meinung waren, dass sie ihrer Schule und der Administration nicht so kritisch gegenüberstehen können. Zum Teil wurden Beiträge aus diesem Grund vollständig verworfen. Wie kann man die negativen Gefühle und Berichte abbilden, ohne dabei konkret Schulen und Lehrkräfte anzuprangern? Indem ungeschönte und wahre Berichte in der Analyse und im Epilog von „Unterrichten im Lockdown“ veröffentlicht werden.

Herausforderungen für Schulen

Der Bericht zeigt, dass die Schulen nicht nur unvorbereitet sind, sondern manchmal auch ungerecht, sehr wettbewerbsorientiert und umso weniger fürsorglich. Wie kann Bildung während der Pandemie neu gedacht und innovativ werden, wenn strukturelle und kulturelle Gewalt vorherrscht? Die Machtstrukturen sind allgegenwärtig: Sie fördern strikte Hierarchien und blinden Gehorsam, anstatt wirkliches Experimentieren und Meinungsfreiheit.

Es gibt noch eine weitere, ebenso wichtige Frage: Sind die Lehrpläne mit Blick auf die Pandemie noch zeitgemäß und entsprechen den Anforderungen? In welchem Maße wurde darüber diskutiert, welche neuen Inhalte eingeführt werden sollten – und nicht nur darüber, wie der Online-Unterricht funktionieren kann?

Man hofft, dass die Pandemie einen Anstoß geben kann, die veralteten Lehrpläne zu überarbeiten. Denn wenn Schulen das nicht tun, werden die Schüler*innen nicht in der Lage sein, mit Gleichaltrigen aus aller Welt mitzuhalten. Es wird eine Herausforderung sein, eine dynamische Lernumgebung aufrechtzuerhalten, die Fortschritt und Dynamik, und nicht Mittelmäßigkeit und Stagnation, beibehält.

Das forumZFD-Team auf Mindanao hofft, dass die Krise als Chance genutzt werden kann, Politik, Strukturen und Einstellungen zu verändern, um zu einer Friedenskultur beizutragen, indem es die Lehrkräfte weiterhin begleitet und die Schlüsselakteur*innen in Bildungseinrichtungen noch stärker einbindet.

Die Geschichten vom "Unterrichten im Lockdown" finden Sie hier (englisch).

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