Wir trauern um Betty

In Erinnerung an Bettina Adamczyk, Projektmanagerin des forumZFD in den Philippinen

Unsere liebe Kollegin Betty ist Anfang Juli nach kurzer, schwerer Krankheit plötzlich verstorben. Wir alle sind zutiefst betroffen und unsere Gedanken sind bei ihrer Familie, ihren Freund*innen und unserem Team in den Philippinen, wo Betty gearbeitet hat. Das Team hat folgende Worte des Abschieds verfasst.
Nachruf Betty, schwarz-weiß
© forumZFD

Betty kam Ende Januar 2020 in den Philippinen an, um ihre neue Stelle beim forumZFD anzutreten. Als Projektmanagerin ergänzte sie das Team in Butuan. Sie war nicht zum ersten Mal in den Philippinen. Zuvor hatte sie bereits als Freiwillige in der Region Central Visayas als Menschenrechtsbeobachterin für die deutsche Organisation IPON gearbeitet. Während ihres Studiums hatte sie außerdem ein Auslandssemester an der Ateneo de Manila University absolviert.

Als sie schließlich beim forumZFD anfing, fiel ihre Ankunft genau mit dem Beginn der Corona-Pandemie zusammen. Kurz nachdem sie in Butuan eintraf, begann in den Philippinen einer der strengsten Lock-Downs weltweit. Wochenlang waren sämtliche Geschäfte geschlossen, sodass ihr Haus für die erste Zeit nur mit einem Bett und einem Couchtisch ausgestattet war. Viele Menschen hätten in einer solchen Situation wahrscheinlich das Handtuch geschmissen: allein in einer neuen Stadt, weit weg von den meisten Kolleg*innen und mit eingeschränkten Reisemöglichkeiten. Aber Betty blickte stets mit einer fast philosophischen Brille auf diese Zeit zurück – daran zeigte sich bereits ihre Charakterstärke und ihre in sich ruhende Kraft, mit der sie uns alle immer wieder beeindruckt hat.

Sie fand sich schnell in das Projektteam in Butuan ein und brachte nicht nur ihr Organisationstalent mit, sondern auch Sonnenschein, Lachen und eine schier unerschöpfliche positive Energie. Eine echte Powerfrau! Ihre Teamkolleg*innen erzählen, dass sie sich immer Zeit für sie nahm, immer mit Rat und Tat zur Seite stand und auch gerne am Küchentisch saß, um gemeinsam zu essen, zu scherzen und zu plaudern. Bei einer Gelegenheit probierte sie sogar Kokosnussbaum-Larven, die ein Partner als lokale Delikatesse mitgebracht hatte – stets voller Einsatz!

Betty brachte einen großen Wissensschatz mit zum forumZFD. In Deutschland hatte sie ihr Studium der Friedens- und Konfliktforschung erfolgreich abgeschlossen, das auch ein Forschungsprojekt in Nepal beinhaltete. All diese Erfahrungen brachte sie mit und konnte darauf aufbauen. Sie übernahm viele Rollen und Aufgaben, zum Beispiel war sie Teil der Arbeitsgruppe für Geschlechtergerechtigkeit und der Arbeitsgruppe „Communities of Peace“, forschte zum Thema „Shrinking Spaces“ und wurde von ihren Kolleg*innen zur Interessensvertreterin im Rahmen der betrieblichen Mitbestimmung gewählt.

Ihre Motivation kam aus tiefstem Herzen. Sie war eine Person, die nicht einfach nur ihre Arbeit gut machen wollte – sie wollte sie aus den richtigen Gründen machen. Alle, die sie kannten, erinnern sich zu Recht an ihre Wärme und ihre positive Energie. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie jemand war, der alles mit einem Lächeln herunterschluckte. Im Gegenteil: Sie setzte sich immer dafür ein, was sie für richtig hielt, und nahm nichts einfach so hin.

Die Redewendung „Carpe Diem“ war wie gemacht für jemanden wie Betty. Während ihrer Zeit beim forumZFD ging sie auf eine Motorradtour und reiste von einer philippinischen Insel zur nächsten. Sie machte einen Einstiegs-Tauchkurs, den sie bereits wenige Wochen später um einen fortgeschrittenen Kurs ergänzte. Damit erfüllte sie sich einen langersehnten Wunsch. Sie hatte so lange vom Tauchen geträumt, dass sie ihre anfängliche Furcht überwand und nach kürzester Zeit vollends darin aufging. Sie liebte das Meer und vermisste immer schon nach kurzer Zeit den Strand. Fast jede*r hat eine Erinnerung an sie, wie sie sich mit einem Lächeln im Gesicht im Wasser treiben lässt – ihr persönlicher Glücksort!

Es ist uns unendlich schwergefallen, diese Zeilen zu schreiben. Eine Person in Worte zu fassen, die so voller Leben war, die bereits so ein erfülltes Leben hinter sich hatte und gleichzeitig noch so viele Jahre hätte vor sich haben sollen. Der Versuch, Betty in ihrer ganzen Lebensenergie zu Papier zu bringen, wird ihr nicht gerecht. Sie war gütig, selbstlos, witzig, kämpferisch, leidenschaftlich und prinzipientreu.

In der Woche, bevor sie von uns gegangen ist, war das ganze Philippinen-Team des forumZFD auf der nahegelegenen Insel Samal für einen zehntägigen Workshop zusammengekommen. Als Teil einer Teambuilding-Übung haben wir ein Spiel gespielt, bei dem wir „alberne Rennen“ laufen sollten. Bettys Aufgabe war es, sich die ganze Strecke lang im Kreis zu drehen. Sie meisterte diese Herausforderung, ohne den Anschein zu erwecken, das Rennen gewinnen zu müssen. Auf einem Video dieser Szene sehen wir sie, wie sie sich um sich selbst dreht, die Augen geschlossen, lächelnd und tanzend, nicht die Spur einer Sorge im Gesicht, ein Moment purer Freude. Betty hat hier in den Philippinen eine unendlich schmerzhafte Lücke in unseren Herzen hinterlassen. Wir hoffen, dass wir sie mit der Zeit ganz mit Erinnerungen wie dieser füllen können.