„Das forumZFD setzt
der Gewalt etwas
Visionäres entgegen.
Das unterstütze ich aus
vollem Herzen.“

Eva Mattes
Schauspielerin

„Gerne unterstütze ich das
Friedensengagement des
forumZFD, denn die zivile
Konfliktbearbeitung ist die
Herausforderung der Zukunft.“

Jaecki Schwarz
Schauspieler

„Ich bin froh, dass meine
Ersparnisse fürs Alter beim
forumZFD schon heute in
Form eines Darlehens etwas
für den Frieden bewegen.“

Eugénie Wilhelmi
Darlehensgeberin

„Ohne die finanzielle
Hilfe von Menschen für
das forumZFD könnte ich
meine Friedensarbeit hier im
Kosovo gar nicht leisten.“

Nehari Sharri
Friedensfachkraft
Information

Bitte beachten Sie, dass unsere Geschäftsstelle aufgrund des Umzugs in der Zeit vom 31. Januar bis 5. Februar nicht erreichbar ist. Wir bitten um Ihr Verständnis, falls wir auch in der darauffolgenden Woche noch nicht so schnell wie üblich auf Anfragen reagieren können.

Die Geschäftsstelle des forumZFD zieht um!
ab 01. Februar 2012:
Am Kölner Brett 8,
50825 Köln-Ehrenfeld

Telefon (ab 6. Februar)

Zentrale: 0221 91 27 32 - 0


Abteilung Verwaltung:
0221-91 27 32 - 20
Abteilung Kommunikation:
0221 91 27 32 – 30
Abteilung Projekte & Pogramme:
0221 91 27 32 - 50
Akademie für Konflikttransformation:
0221 91 27 32 - 70
Fax:
0221 91 27 32 - 99




Wachsende Nachfrage

ZFD in Deutschland

Herr Niederhoff, Herr Sufryd: Warum brauchen wir eigentlich einen Zivilen Friedensdienst in Deutschland?
Hier drohen keine bürgerkriegsähnlichen Zustände.
HN:
Das ist richtig. In Deutschland gibt es eine funktionierende Zivilgesellschaft, und gewalttätige Unruhen wie etwa 2005 in Frankreich sind zum Glück nicht in Sicht. Doch unser Projekt in Quakenbrück hat gezeigt, wie sinnvoll das Instrument ZFD im Inland sein kann. Obwohl es in dieser niedersächsischen Stadt eine sehr lebendige Zivilgesellschaft gibt, kommt es dort regelmäßig zu Konflikten, die meist mit der noch nicht gelungenen Integration griechisch-muslimischer und russischsprachiger Zuwanderer zusammenhängen. Wir sind deshalb von der Kommune selbst angefragt worden, von außen einen neuen Blick auf die Situation zu werfen und ein Handlungskonzept zu entwickeln. Solche migrationsbedingten Konflikte gibt es an vielen Orten in ganz Deutschland. Die kommunalen Akteure, gerade in kleineren Städten, haben häufig diesbezüglich wenige Erfahrungen. Oder ihnen fehlen einfach die Ressourcen. Immer mehr von ihnen wollen aber nicht abwarten, bis eine Situation eskaliert, sondern Integration positiv gestalten. Und hier können wir eine Menge Expertise zur Verfügung stellen.

Wie unterscheidet sich der Ansatz eines Zivilen Friedensdienstes in Deutschland von Einsätzen im Ausland?
PS:
Gemeinsam sind der Blick von außen und natürlich auch viele Methoden zur gewaltfreien Bearbeitung von Konflikten. Wir kommen wie bei Auslandsprojekten als allparteilicher
Akteur hinzu. Wir sind nicht Teil des Problems, sondern analysieren den Konflikt von außen und versuchen, mit den Beteiligten Strukturen zu entwickeln, die sich später, wenn wir wieder weg sind, selbst tragen. Unterschiedlich ist zumeist, dass wir in Deutschland eine entwickelte Zivilgesellschaft und meist klar geregelte und manchmal rigide Verwaltungsstrukturen haben. Und: Wir agieren in unserer eigenen Sprache und Kultur. Aber man muss auch sehen, dass wir mit dem Aufbau eines ZFD in Deutschland erst am Anfang eines Prozesses stehen. In Oranienburg und Quakenbrück ging es vor allem darum, die unmittelbar beteiligten Akteure zu beraten. Das hat viele Aspekte von struktureller Beratungsarbeit, und deshalb nennen wir unsere Arbeit im Inland auch »Kommunale Konfliktberatung«.

HN: Ich sehe noch eine weitere Kompetenz, die wir als ZFD in Deutschland einbringen: Selbst wenn wir nicht alles selber können, wissen wir in der Regel, wo jemand mit der benötigten Expertise sitzt. Erfahrungen mit bestimmten Konfliktkonstellationen können an anderen Orten, die ähnliche Probleme haben, weiterhelfen. Wir bauen Brücken, indem wir durch unser Netzwerk dieses Wissen weitervermitteln. In der Zukunft könnten wir dies zu so etwas wie einem nationalen Kompetenzzentrum ausbauen, wo beispielsweise ein Bürgermeister anrufen kann, wenn seine Stadt Unterstützung und Beratung bei der Bearbeitung von Konflikten wünscht.

Für Quakenbrück haben Sie eine Konfliktanalyse und einen Vorschlag für ein Handlungskonzept zur Integration verschiedener Zuwanderergruppen entwickelt. Wie geht es damit nun weiter?
PS: Unser Konzept wurde sehr gut aufgenommen. Der Stadtrat hat unseren Vorschlag über alle Fraktionen hinweg als Leitlinie der Integrationsaktivitäten beschlossen. Anschließend hat die Stadt ihr Interesse bekundet, sich bei der Umsetzung weiter von uns beraten zu lassen. Ende letzten Jahres haben wir sie zum Beispiel dabei unterstützt, einen Antrag beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung einzureichen. Der Antrag war erfolgreich, und so verfügt Quakenbrück nun über zusätzliche Gelder, um die Umsetzung des Handlungskonzeptes voranzutreiben.

Das erste Projekt des forumZFD in Deutschland, in Oranienburg bei Berlin, ist inzwischen abgeschlossen. Worin sehen Sie die zentralen Ergebnisse Ihrer Arbeit?
PS:
In Oranienburg haben wir erstmals »Kommunale Konfliktberatung« erprobt. Es gab dort Spannungen zwischen Einheimischen und russischsprachigen Aussiedlern, die zudem untereinander Konflikte hatten. Heute gibt es in Oranienburg eine integrative Plattform, die verschiedene Aussiedlergruppierungen und Einheimische vereint. Die »Initiative Bürgerzentrum« wird von der Stadtverwaltung als direkter Draht in den Stadtteil Mittelstadt und zu den Aussiedlerinnen und Aussiedlern geschätzt. Aber Integrationsarbeit ist unbestritten eine langfristige Angelegenheit. Deshalb sehen wir uns eher als Impulsgeber. In Oranienburg hat die Stadtgesellschaft erkannt, dass die Integration der Aussiedlerinnen und Aussiedler in der Mittelstadt ein Zukunftsthema ist, für das Ressourcen geschaffen werden müssen. Genau das ist geschehen: Anfang 2010 hat die Stadt zur Koordination der Integrations- und Gemeinwesenaktivitäten eine Stelle im Bürgerzentrum geschaffen. Besonders gefreut hat uns, dass die Stelle mit einem unserer früheren Projektmitarbeiter besetzt wurde.

Wie lassen sich Erfahrungen aus Projekten im Ausland für den ZFD in Deutschland nutzen?
HN:
Die Erfahrung und interkulturelle Kompetenz zurückkehrender Friedensfachkräfte wird bislang noch zu wenig genutzt. Unsere Friedensfachkräfte sind Leute mit Lebens- und Berufserfahrung, die zusätzlich eine Sonderqualifikation besitzen. Wenn wir diese Fachkräfte nachschulen in Hinblick auf deutsche Verwaltungsstrukturen, haben wir ein großes Potenzial für die Konfliktberatung in hiesigen Städten und Gemeinden.
PS: Aktuell liegt uns eine Anfrage der Stadt Osterholz-Scharmbeck bei Bremen vor, die durch unser Projekt in Quakenbrück auf uns aufmerksam geworden sind. In Osterholz-Scharmbeck gibt es massive Konflikte mit Migrantinnen und Migranten aus dem Libanon. Einiges deutet daraufhin, dass diese Spannungen zum Teil auf Konfliktstrukturen beruhen, die von dort »importiert« wurden. Seit dem Sommer 2009 sind wir als forumZFD im Libanon tätig, das heißt, wir haben in unserem Team Fachkräfte, die sich im Libanon auskennen und ihre Erfahrungen in Osterholz-Scharmbeck einbringen könnten.

Das Interview führte Thomas Meinhardt

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