„Das forumZFD setzt
der Gewalt etwas
Visionäres entgegen.
Das unterstütze ich aus
vollem Herzen.“
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Kampagne
Auf die Vielfalt der Konflikte vorbereitet
Samuel Hlekelo Mpatlanyane, genannt Sammy, besuchte im vergangenen Herbst den neunwöchigen Qualifizierungskurs der Akademie für Konflikttransformation in Königswinter. Er war Direktor für Kommunikation im Ministerium für Kultur, Sport und Freizeit der Provinz Mpumalanga im Nordosten Südafrikas. Wenige Wochen nach seiner Rückkehr aus Deutschland wurde Samuel Mpatlayane nachts in seinem Haus erschossen. Südafrikanische Zeitungen vermuten, dass sein Einsatz gegen Korruption Grund für den Mord gewesen ist. Während seiner Teilnahme am Qualifizierungskurs führte Annedore Smith mit Samuel Mpatlayane ein Interview.
Sammy, Sie sind Direktor für Kommunikation im Ministerium für Kultur, Sport und Freizeit einer südafrikanischen
Provinz. Welche Relevanz hat dieser Kurs für Ihre Arbeit?
Zu Beginn wusste ich wirklich nicht, wie ich mich da einbringen könnte. Ich hatte noch nie mit dem Zivilen Friedensdienst zu tun, sondern habe immer in Regierungsstellen gearbeitet.
Die Lerninhalte waren mir daher ziemlich fremd. Aber allmählich wurde mir klar, worum es hier geht. Wenn man von Konflikttransformation spricht, denken viele Menschen zuerst an kriegerische Auseinandersetzungen. Was man leicht vergisst, sind die alltäglichen Konflikte im
näheren Umfeld, etwa zwischen Kollegen, Familien und Nachbarn, zwischen Regionen und Provinzen, oder die Kämpfe in Townships. In meinem Arbeitsbereich beispielsweise gibt es oft Konflikte zwischen Verwaltung und Bürgerinnen und Bürgern, weil bestimmte Serviceleistungen nicht erbracht werden. In unserer Provinz gab es deshalb zuletzt Unruhen in sechs Gemeindebezirken. Öffentliches Eigentum wurde dabei mutwillig zerstört, Häuser von Lokalpolitikern niedergebrannt. Also musste die Provinzregierung einschreiten. Hier vor allem sehe ich eine Möglichkeit, das Gelernte anzuwenden. Dank der Intensität des Kurses wird man genau auf diese Vielfalt von Konfliktsituationen vorbereitet, um sie dann gezielt angehen zu können.
Aber können wir im vergleichsweise sicheren Europa wirklich angemessene Lösungen für die Krisen im fernen Afrika anbieten?
Das ist eine schwierige Frage. In der Tat ist mir in diesem Kurs aufgefallen, wie wenig Europäerinnen und Europäer über Afrika wissen. Sie sehen den gesamten Kontinent als Einheit, obwohl er aus vielen verschiedenen Ländern mit einer enormen kulturellen Vielfalt besteht. Ich
hingegen weiß sehr wenig über den Balkan, doch gerade aus diesem Teil der Welt werden hier zahlreiche Beispiele der Konfliktbearbeitung angeführt. Natürlich geht es dabei in erster Linie um Modelle, aber als Neuling auf dem Gebiet des Zivilen Friedensdienstes erscheinen sie mir mitunter nur begrenzt relevant für den afrikanischen Kontext. Das trifft übrigens nicht auf das Modell der
Konflikttransformation von Diana Francis (siehe auch http://www.forumzfd-akademie.de/) zu, das eine ungleiche Machtverteilung zum Ausgangspunkt hat und nach meiner Ansicht perfekt zur Situation in Südafrika passt.
Wie könnte das Konzept der Zivilen Konfliktbearbeitung auf Ihrer Verwaltungsebene konkret eingeführt werden?
Ich könnte als Ansprechperson fungieren und Mitarbeitende in Ämtern oder Abteilungen mit den Methoden vertraut machen. Wir haben zum Beispiel eine Beschwerdestelle, an die sich Bürgerinnen und Bürger wenden können. Hier wäre das Prinzip der Mediation sinnvoll. Ich sehe auch Synergien zwischen der Konfliktbearbeitung und der Kommunikation, die mein Metier ist. Mangelhafte Kommunikation ist oft eine Quelle von Konflikten – das war auch bei den Unruhen der Fall, die ich vorhin erwähnt habe. Da wurde den Menschen einfach nicht erklärt, warum bestimmte Wahlversprechen nicht eingehalten werden konnten. Nach diesem Kurs ist mir klarer denn je, wie man mit konfliktsensibler Kommunikation Krisensituationen entschärfen kann.
Südafrika bereitet sich zurzeit auf die Fußballweltmeisterschaft 2010 vor, Ihr Ministerium ist direkt daran beteiligt. In Europa gibt es viel Angst vor Gewalt am Rande der Spiele. Könnten hier Modelle der Konflikttransformation einschließlich der Vorbeugung von Gewalt zur Anwendung kommen?
Maßnahmen zur Vorbeugung halte ich für besonders wichtig. Viele Menschen kommen mit der Vorstellung nach Südafrika, es wäre ein Land voller Gewalttäter, wo man vermutlich gleich bei der Ankunft am Flughafen überfallen würde. Hier geht es darum, Einstellungen zu verändern – und zwar nicht nur bei den Besucherinnen und Besuchern, sondern vor allem auch bei ihren Gastgebern. Die Gastgeber sind sozusagen die Botschafter Südafrikas. Wenn sie sich falsch verhalten, dann wird sich das – meiner Ansicht nach übertriebene – Bild des gewalttätigen Südafrikas fortsetzen. Es ist also notwendig, Elemente der Gewaltprävention in die Programme zur WM-Vorbereitung zu integrieren. Dies werde ich auch in meinem Arbeitsbereich versuchen.
Wird die WM in Südafrika denn erfolgreich sein?
Davon bin ich hundertprozentig überzeugt. Südafrika hat in den letzten Jahren schon mehrere internationale Sportveranstaltungen ausgetragen, alle sind erfolgreich verlaufen. Natürlich werden sich gewaltsame Ausschreitungen nicht völlig verhindern lassen. Aber wir sind gerade dabei, Fachkräfte für die Kontrolle solcher Ereignisse auszubilden. Auch hier kann ich in meiner Provinz neue Elemente einführen, die ich in diesem Kurs gelernt habe, vor allem Maßnahmen zur Deeskalation von Konfliktsituationen. Ich habe also keine Sorge, was die Organisation der WM betrifft. Das Einzige, was mir Sorge bereitet, ist, dass unsere südafrikanische Mannschaft schon nach der ersten Runde ausscheiden könnte.
Das Interview führte Annedore Smith





