„Das forumZFD setzt
der Gewalt etwas
Visionäres entgegen.
Das unterstütze ich aus
vollem Herzen.“

Eva Mattes
Schauspielerin

„Gerne unterstütze ich das
Friedensengagement des
forumZFD, denn die zivile
Konfliktbearbeitung ist die
Herausforderung der Zukunft.“

Jaecki Schwarz
Schauspieler

„Ich bin froh, dass meine
Ersparnisse fürs Alter beim
forumZFD schon heute in
Form eines Darlehens etwas
für den Frieden bewegen.“

Eugénie Wilhelmi
Darlehensgeberin

„Ohne die finanzielle
Hilfe von Menschen für
das forumZFD könnte ich
meine Friedensarbeit hier im
Kosovo gar nicht leisten.“

Nehari Sharri
Friedensfachkraft
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Gegen die Kultur der Gewalt

Ziviler Friedensdienst in Afghanistan

»Der Krieg ist für uns nicht das größte Problem. Es gibt in unserem Land noch so viele andere
Konflikte im Alltag, die den großen Konflikt von weltpolitischer Bedeutung überhaupt erst ermöglichen. Genau hier müssen wir ansetzen.«

Der junge Afghane Ahmad Nawid ist überzeugt, dass das Leben in seinem kriegszerrissenen Heimatland nicht vorrangig von den militärischen Auseinandersetzungen bestimmt wird. Viel schwerwiegender sind seiner Meinung nach die gesellschaftlichen Konflikte in einem Vielvölkerstaat mit unterschiedlichen Sprachen, religiösen Überzeugungen, Stammestraditionen und ungleichen Einflussmöglichkeiten der diversen Volksgruppen in Politik und Wirtschaft sowie einer
Kultur der Gewalt nach Jahrzehnten von Krieg und Bürgerkrieg. Hier wollen Nawid sowie Sayed Mansoor Ashrafi und Farkhunda Azizi Veränderungen bewirken.
Nawid und Mansoor sind Projektreferenten bei Mediothek. Diese Nichtregierungsorganisation in Kunduz will mit politischer Bildung und der Förderung konfliktsensitiver Medien zum Frieden beitragen und wird dabei vom Deutschen Entwicklungsdienst (DED) unterstützt. Farkhunda ist einheimische Fachkraft und Kollegin der DED-Koordinatorin für den Zivilen Friedensdienst in Afghanistan. Um mehr über die Methoden der Zivilen Konfliktbearbeitung zu lernen, haben die drei knapp 30-Jährigen in Königswinter am neunwöchigen Qualifizierungskurs der Akademie für Konflikttransformation im forumZFD teilgenommen.
Besonders das Konzept der Mediation durch allparteiliche Dritte hat es ihnen angetan. Dies könnten sie sehr gut in ihrem Land anwenden, meint Farkhunda. Sie stammt aus einer streng traditionellen Familie – ihr Vater hatte drei Ehefrauen – und hat mit ihrer Verwandtschaft zeitweise in pakistanischen Flüchtlingslagern gelebt. »Wir können die politischen Verhältnisse kurzfristig nicht verändern, wohl aber die Konflikte in unseren Familien und in unserem unmittelbaren Umfeld. Und wo immer Konflikte überhandnehmen, müssen wir nach praktischen Lösungen mit friedlichen Mitteln suchen«, betont Farkhunda. Dies erscheint ihr besonders wichtig in einem Land, in dem aufgrund der langen Erfahrung mit Krieg und Besatzung Gewalt auch im Alltag weit verbreitet ist.

Nawid verweist auf Streitigkeiten über Landbesitz sowie auf Stammesfehden, Unterdrückung von
Minderheitensprachen und gewaltsam ausgetragene Rivalitäten zwischen politischen Allianzen: »Wenn wir hier beispielsweise mit Methoden der Mediation mehr Frieden auf der unteren und mittleren Ebene unserer Gesellschaft schaffen können, dann sind wir auch einer Beilegung des Krieges ein Stück näher gekommen.« Hierin sehen alle drei Teilnehmenden die Relevanz des Akademie-Kurses im fernen Europa. Und sie äußern auch klar, welche Hilfe sie sich von den europäischen Staaten einschließlich Deutschlands erhoffen: jedenfalls keine weiteren Truppen. »Im Moment sind unsere eigenen Soldaten und Polizisten noch nicht in der Lage, unsere Sicherheitssituation zu verbessern«, sagt Mansoor. »Anstatt aber noch mehr Soldaten zu schicken, sollte Europa die Ausbildung unserer Sicherheitskräfte beschleunigen. Und man sollte uns mehr Expertinnen und Experten des Zivilen Friedensdienstes schicken. Denn die können uns dabei helfen, die Wurzeln unserer Konflikte zu erkennen und anzugehen.«
»Wichtig ist die direkte Arbeit mit den Menschen, um Einstellungen zu verändern«, fügt Nawid hinzu. »Wenn wohlmeinende Organisationen zum Beispiel Schulen bauen, unsere Kinder aber nicht hingeschickt werden, dann war diese Hilfsmaßnahme vergeblich.« Farkhunda erklärt, dass vor allem die Idee, Mädchen auf Schulen zu schicken, bei vielen Afghanen noch lange nicht angekommen sei. Hier könnten westliche Fachkräfte zur Bewusstseinsbildung beitragen und in Kooperation mit einheimischen Friedensarbeitern/-innen festgefahrene Strukturen überwinden. »Dies würde uns weiterbringen«, meint Farkhunda. »Dagegen wird eine militärische Intervention immer nur als Besatzung empfunden, selbst wenn sie gut gemeint ist. In Afghanistan haben sich die Probleme dadurch bloß verschlimmert.«

Ausländische Friedensfachkräfte können allerdings nur Anstöße geben, die Veränderung muss letztlich aus der afghanischen Gesellschaft selbst kommen, wie die drei jungen Kursteilnehmenden betonen. Deshalb konnten sie es gegen Ende ihres Kurses im vergangenen Dezember kaum abwarten, wieder nach Hause zurückzukehren, um das Gelernte umzusetzen. Farkhunda freute sich darauf, künftig nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in der konkreten Friedensarbeit tätig
zu sein. Mansoor hatte neue Ideen für das von ihm betreute Projekt »Friedenskarawane«, bei dem
Aktivisten/-innen von Kunduz aus in andere Städte ziehen, um überall für Gewaltlosigkeit zu werben. Nawid wollte Workshops organisieren, um auch seine Kollegen/-innen mit neuen Methoden der gewaltfreien Konfliktbearbeitung vertraut zu machen. Zudem wollte er sich stärker der Projektplanung widmen, wofür ihm der Kurs nützliches Handwerkszeug vermittelt habe.

»Dieser Kurs transformiert nicht nur Konflikte«, sagt Nawid. »Er hat auch mich in einen neuen Nawid transformiert. Bevor ich hierherkam, habe ich mich vor Führungsaufgaben bei Mediothek gescheut, weil ich mich denen noch nicht gewachsen fühlte. Aber jetzt bin ich bereit, viel mehr Verantwortung zu übernehmen. Denn wir alle wollen wirklich etwas verändern in unserem
Land.«

Annedore Smith

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