Aktuelles

Zur Allgemeinen Verunsicherung

"Das Weißbuch entwirft eine Sicherheitspolitik, die langfristig nicht mehr Sicherheit durch Bewältigung der Ursachen von Gewalt, sondern mehr Unsicherheit durch einseitige Bedrohungsabwehr befürchten lässt." Ein Kommentar von Christoph Bongard, forumZFD, über das »Weißbuch 2016 zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr«

Konferenz: "Alle mitnehmen - soziale Ungleichheit überwinden"

Das forumZFD lädt gemeinsam mit ZFD, VENRO und weiteren Trägerorganisationen zur Transformationskonferenz "Alle mitnehmen - soziale Ungleichheit überwinden!" am 26. September 2016 in Berlin ein.

"Neue Geschichten braucht das Land" - Aktionstagung

Einladung zur friedenslogischen Aktionstagung am 21. und 22. Oktober 2016 in Königswinter bei Bonn. Gefördert von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

From Hero to Zero: Deutschland kein Vorreiter für Friedensdimension bei Umsetzung der 2030-Agenda

Köln, 26. Juli 2016. Die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ist friedenspolitisch nicht ausreichend ambitioniert und fällt teilweise sogar hinter bisherige Versprechen der Bundesregierung zurück. Zu dieser Einschätzung kommen sieben entwicklungs- und friedenspolitische Verbände und Organisationen.

Deutschland und die UN-Nachhaltigkeitsagenda: Rüstungsexporte bremsen Armutsbekämpfung

In einem Schattenbericht weisen pax christi und das forumZFD auf Deutschlands Rolle bei Rüstungsexporten hin. Der Text ist Teil des Bands „Deutschland und die UN-Nachhaltigkeitsagenda – noch lange nicht nachhaltig“. Darin fordert ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis wirksame Schritte von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Umsetzung der 2030-Agenda in und durch Deutschland.

Auszeichnungen
  • Gustav-Heinemann-Bürgerpreis 1997
  • Göttinger Friedenspreis 2005
  • Friedenspreis Sievershäuser Ermutigung 2014
Kontakt

Forum Ziviler Friedensdienst e.V.
Am Kölner Brett 8, 50825 Köln

Tel.: 0221 91 27 32 - 0
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Libanon

Das Erbe des Bürgerkriegs (1975 – 1989), die „Nachkriegszeit“ mit drei Kriegen (1993, 1996 und 2006), der seit über vier Jahren herrschende Syrienkrieg sowie die dramatische Situation der syrischen Flüchtlinge im Libanon bestimmen das Zusammenleben und die Politik in diesem Land. Seit 2009 ist das forumZFD mit sieben Fachkräften in Beirut aktiv. In unterschiedlichen Projekten wird zum einen die Bürgerkriegsvergangenheit aufgearbeitet, zum anderen werden Methoden der zivilen Konflikttransformation vermittelt. Zudem unterstützt das forumZFD in einem neuen Projekt die Konfliktvermittlung und Integration der Flüchtlinge.
Unsere Konfliktanalyse

Der Libanon weist viele religiöse bzw. konfessionelle Gruppen auf. Der libanesische Bürgerkrieg (1975-1989) und die Erinnerung an ihn sind noch sehr präsent im politischen und alltäglichen Leben. Die Erinnerungen sind bei Menschen unterschiedlicher konfessioneller oder politischer Zugehörigkeit sehr verschieden – Ereignisse des Krieges werden aus der jeweils eigenen Sichtweise heraus erzählt. In der Politik werden diese unterschiedlichen Narrative instrumentalisiert.

Das politische System des Landes knüpft Teilhabe und Einfluss an Konfessionen. So regelt zum Beispiel ein Proporz die Beteiligung der Konfessionsgruppen im Parlament, welcher nicht den demografischen Verhältnissen entspricht. Begleitet von der Einflussnahme konkurrierender Auslandsmächte und von Würdenträgern verlaufen politische Konflikte in Libanon weiterhin entlang dieser „konfessionellen“ Linien.

In dieser Situation, die allseits von tief sitzenden Ängsten und Vorurteilen über „die Anderen“ geprägt ist, vertiefen gegenseitige Abgrenzung und Schuldzuweisungen den ausgrenzenden Konfessionalismus. Die in einigen Regionen andauernden gewalttätigen Auseinandersetzungen finden eine neue Herausforderung in der Ankunft von Flüchtlingen aus Syrien, welche die Bevölkerungszahl um über 25 Prozent anwachsen ließ. Im Vergleich mit Deutschland würde das bedeuten, dass über 20 Millionen Menschen in Deutschland Zuflucht gefunden hätten.

Andererseits ermöglicht der schwache libanesische Staat der Zivilgesellschaft, eine aktive und wichtige Rolle zu spielen. Der Bildungsbereich, die sozialen und karitativen Institutionen, aber auch die Infrastruktur der religiösen Gemeinschaften haben große Potenziale, zu einer positiven Entwicklung beizutragen – sie können jedoch ebenso konfliktverschärfend wirken.

Aktuelle Informationen finden Sie auch auf der Programmseite des Libanon (englisch).

Unsere Projekte
Konfliktvermittlung und Integration von Flüchtlingen

Seit über vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Die Kämpfe haben bereits mehr als 100.000 Todesopfer gefordert. 2,5 Millionen Menschen sind vor der Gewalt geflohen. Die meisten Flüchtlinge wurden von den direkten Nachbarländern aufgenommen. Schätzungsweise 1,5 Million Syrer/innen haben sich in den Libanon gerettet.

Die Region West Bekaa an der Grenze zu Syrien gehört zu den ärmsten des Libanon. Die Gemeinden in der Region haben eine große Zahl syrischer Flüchtlinge aufgenommen. Doch diese Hilfsbereitschaft stellt die Gemeinden zugleich vor große Herausforderungen: Die Infrastruktur ist überlastet und die ökonomische Situation verschärft sich. Syrische Flüchtlinge, die keine Verwandten oder Freunde im Libanon haben, sind auf sich allein gestellt. Um zu überleben arbeiten viele syrische Flüchtlinge illegal und akzeptieren notgedrungen Löhne, die deutlich unter der üblichen Bezahlung liegen. Einheimische können auf diesem Niveau nicht konkurrieren.

Das schürt Ressentiments und viele Libanesen und Libanesinnen machen die Flüchtlinge für die gestiegene Armut verantwortlich. Auch der Neid auf die Hilfeleistungen für syrische Flüchtlinge durch humanitäre Organisationen spielt eine Rolle.

Das Projekt „Verbesserung der Kapazitäten und Konfliktsensibilität, insbesondere in Aufnahmekommunen für Flüchtlinge aus Syrien“ reagiert auf das durch die Flüchtlingskrise im Libanon entstandene Konfliktpotenzial. Ziel ist es, die Überforderung der Gastgemeinschaften und lokalen Behörden durch den Flüchtlingsstrom aus Syrien zu verstehen und ein konfliktsensibles Management der Flüchtlingskrise einzuführen. Durch die Etablierung von Austauschstrukturen und Schlichtungsmechanismen sowie Vermittlung von Methoden der Zivilen Konfliktbearbeitung (gewaltfreie Kommunikation, gegenseitiges Verständnis durch moderierte Treffen etc.). Zivilgesellschaftliche Akteure, Schulen und lokale Stadtverwaltungen sind zentrale Partner des Vorhabens. Angestrebt werden die Stärkung der Gastkommunen und Flüchtlingsgemeinschaften zur verbesserten Koordination sowie Bildungsarbeit für präventives Handeln und konstruktive Konfliktbearbeitung. Das forumZFD unterstützt die Gemeinden darin, aufkommende Konflikte zwischen der libanesischen Bevölkerung und syrischen Flüchtlingen zu schlichten und die Integration der Syrer/innen zu fördern.

Projektleitung: Christina Hering

Vergangenheitsaufarbeitung und Erinnerung

Das ‚Abkommen von Taif‘(1989) hat die Gewalteskalation des libanesischen Bürgerkrieges vorläufig beendet. Trotzdem setzten sich Konflikte fort und neue kommen hinzu. In dieser Situation stellt eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die die verschiedenen Perspektiven in der libanesischen Bevölkerung einbezieht, eine besondere Herausforderung dar. Aus ihr kann jedoch gegenseitiges Verständnis und Anerkennung der wechselseitigen Ängste und Erfahrungen von Leid und Unrecht erwachsen.

Das Projekt „Documenting and Popularizing Experiences of Nonviolent Activism in Lebanon“ dokumentiert gewaltfreien Aktivismus im Libanon. Ziel ist, diesen vernachlässigten Aspekt libanesischer Konflikthistorie in Form der Videodokumentation und einer Datenbank der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Durch Trainings und Austausch mit verschiedenen Zielgruppen aus allen Konfessionen, soll ein erhöhtes Bewusstsein für die gesellschaftlichen Potenziale konstruktiver Konfliktbearbeitung im Libanon entstehen.

Partner: Permanent Peace Movement (www.ppm-lebanon.org), Imam Sadr Foundation (www.imamsadrfoundation.org), Umam Documentation and Research (www.umam-dr.org)

Schulen als zentrale Bildungsinstitutionen können eine wesentliche Rolle für sozialen Wandel und bei der Überwindung von gesellschaftlichen Gräben spielen. Im Projekt „Tell me – I am listening!“ wurde ein Handbuch für Lehrer/innen zum Thema Vergangenheitsaufarbeitung entwickelt. Begleitend entsteht ein Film, der unterschiedliche Narrative zum Bürgerkrieg exemplarisch wiedergibt. Das erstellte Lehrmaterial regt in ausgewählten Schulen zu Diskussionen an und reflektiert die eigene Geschichtsauffassung. In der Zwischenzeit moderierte das forumZFD dazu Diskussions- und Podiumsveranstaltungen mit gesellschaftspolitischen Vertretern. Partner: Lebanese Center for Civic Education (www.lcclebanon.org), A Step Away (www.astepaway.org)

Projektleitung: Nina Strumpf

Weiterbildung und Methodenvermittlung für zivilgesellschaftliche Akteure

Im Libanon sind viele Nichtregierungsorganisationen (NROs) aktiv. Eine Bedarfsanalyse von forumZFD und GIZ hat ergeben, dass sich die meisten NROs Weiterbildung im Bereich Organisationsentwicklung und Projektplanung wünschen. Zudem sind Methoden der zivilen Konfliktbearbeitung nur unzureichend bekannt. Dies gilt in besonderem Maße für NROs außerhalb der Hauptstadt Beirut. Das Projekt „Let’s get Trained“ begleitet NROs aus allen Regionen durch Trainings und bei der Projektimplementierung. Über die Vermittlung von Methoden der zivilen Konflikttransformation wird die Fähigkeit der Partnerorganisationen gestärkt, Differenzen in ihrem Kontext zu transformieren.

Partner: DROPS Community Progress (www.drops.ch), Hayya Bina (www.hayyabina.org/en), Initiatives of Change Lebanon (www.iofc.org/history/Lebanon), Naba`a Developmental Action without Borders (www.nabaa-lb.org), USPEaK, Youth for Development

Projektleitung: Naji Saiid

Kontakt
Programmleiter: Bernhard Hillenkamp
E-Mail: hillenkamp@forumZFD.de