Aktuelles

"Frieden entwickeln - Waffenexporte verbieten"

Christina Hering und Benedikt Brammer, Friedensfachkräfte des forumZFD im Libanon, berichten bei Werkstatt Zukunft über ihre Arbeit. Im Gespräch mit Jürgen Grässlin und Elke Uldahl-Stößer fordern sie den Stopp von Waffenexporten.

Bremen: Laufen für Vielfalt und Frieden

Zum zehnten Mal starteten am Dienstag Bremer Schülerinnen und Schüler zum Friedenslauf auf dem Marktplatz. „Vielfalt leben! Gemeinsam für den Frieden“ lautete der diesjährige Aufruf zum Lauf, dem mehr als 1400 Schülerinnen und Schüler von neun Schulen folgten.

„Gemeinsam vorwärts schauen“ – Stimmen zum Jubiläum des forumZFD

Fast 200 Gäste feierten gemeinsam mit etwa 70 internationalen Mitarbeitenden das 20-jährige Bestehen des forumZFD. Die Gäste hatten Gelegenheit, in Gesprächsrunden die Entstehungsgeschichte, Arbeit und Menschen aus den weltweiten Projekten des forumZFD kennenzulernen.

Lehr- und Forschungsprojekt zum Umgang mit Konflikten in der kommunalen Flüchtlingsarbeit

Das forumZFD und die Duale Hochschule Baden-Württemberg nehmen ein gemeinsames Lehr- und Forschungsprojekt auf, um einen Beitrag zur Aufnahme und Integration von Flüchtlingen zu leisten und die Vernetzung und Zusammenarbeit in Kommunen zu fördern.

Erfolg einer visionären Idee: 20 Jahre Forum Ziviler Friedensdienst

Köln, 4. Juni 2016. Vor 20 Jahren, 1996, gründeten Personen und Organisationen aus der Friedensbewegung und den Kirchen einen kleinen Verein mit einer visionären Idee: das Forum Ziviler Friedensdienst.

Auszeichnungen
  • Gustav-Heinemann-Bürgerpreis 1997
  • Göttinger Friedenspreis 2005
  • Friedenspreis Sievershäuser Ermutigung 2014
Kontakt

Forum Ziviler Friedensdienst e.V.
Am Kölner Brett 8, 50825 Köln

Tel.: 0221 91 27 32 - 0
kontakt@forumZFD.de
 

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft
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BIC: BFSWDE33XXX

Ansprechpartner

Sven Reuter

Referent westlicher Balkan und Südostasien

Abteilung Projekte und Programme
Telefon: 
0221 91 27 32 - 62
E-Mail: 
reuteratforumZFD [dot] de

Bosnien-Herzegowina: Unsere Politik kennt keine Bürger

Nationalistische Kampagnen zur ersten Volkszählung nach dem Krieg Nach 22 Jahren fand im Oktober 2013 die erste Volkszählung in Bosnien-Herzegowina nach dem Krieg statt. Sie wird bedeutende demographische Veränderungen der bosnisch-herzegowinischen Bevölkerung belegen. Volkszählungen werden häufig als eine rein technische Maßnahme betrachtet. Das ist in Bosnien-Herzegowina mitnichten der Fall.
Das Erbe von Dayton

Bild: 1994: Ein bosnischer Junge und sein Vater beobachten, wie UN-Truppentransporter in das von bosnisch-serbischen Truppen belagerte Sarajevo einfahren. (c) Northphoto

Das ethnisierte politische System, das in Bosnien-Herzegowina infolge des Friedensabkommens von Dayton im Jahre 1995 zur Befriedung des Landes etabliert wurde, ist heute eher ein großer Teil des Problems als Teil der Lösung. Es gibt strikte Quoten für die Vertretung der drei Nationalitäten – Bosniaken, Serben und Kroaten - in allen staatlichen Einrichtungen vom Parlament bis hin zur Kommunalverwaltung. Sogar die Präsidentschaft des Landes rotiert zwischen einem serbischen, einem bosniakischen und einem kroatischen Präsidenten.

Wahllisten wurden bislang auf Basis der Volkszählung von 1991, also vor dem Krieg und den Massenvertreibungen, erstellt. Dieser bislang gültige Zensus zählte 4,4 Millionen Einwohnern/-innen, davon 43% Bosniaken (Muslime), 31% Serben (orthodoxe Christen) und 17% Kroaten (katholische Christen).

Volkszählung wird Folgen von ethnischer Säuberung und Vertreibung belegen

Bild: Die Verteilung von Kroaten, Serben und Bosniaken in Bosnien-Herzegowina laut der Volkszählung von 1991.(c) ZEC

Es wird erwartet, dass die aktuelle Volkszählung deutliche Veränderung der Bevölkerungsstruktur belegen wird, sowohl was die Gesamtbevölkerung angeht als auch die regionale Verteilung der ethnischen Gruppen. Die aktuelle Einwohnerzahl wird auf 3,7 Millionen geschätzt, da der Krieg ca. 100.000 Opfer forderte und massive Flucht aus Bosnien-Herzegowina nach sich zog.

In vielen Regionen stellt heute eine der drei Bevölkerungsgruppen die deutliche Mehrheit. Dies gilt vor allem für die serbische Teilrepublik (Republika Srpska). Das ist das Resultat von Verbrechen wie ethnischen Säuberungen und Massenvertreibung, die während des Bosnienkrieges an nicht- serbischen Einwohner/-innen verübt wurden. Aus östlichen und nördlichen Teilen des Landes wurden damals hauptsächlich Bosniaken, sowie Kroaten aus dem Norden des Landes vertrieben. Ziel war es, eine serbische Bevölkerungsmehrheit zu schaffen. Politiker/-innen der Republika Srpska hatten bereits seit langer Zeit eine neue Volkszählung gefordert, um den Status der serbischen Mehrheit in diesem Teilgebiet zu legitimieren.

Streit um die Frage nach der Nationalität

Bosnische Parteien haben hingegen versucht, die Volkszählung hinauszuzögern. Sie befürchten, die Ergebnisse würden sozusagen im Nachhinein die Vertreibungen von Bosniaken legalisieren und in der Serbischen Teilrepublik Tendenzen zur Abspaltung verstärken.

Die kroatischen Parteien haben eine andere Sorge. Der Zensus wird mit großer Sicherheit die beträchtliche Reduzierung der Zahl kroatischer Einwohner/-innen in Bosnien-Herzegowina belegen und dazu führen, dass die kroatischen Parteien weniger Repräsentanten in staatlichen Einrichtungen erhalten. Es ist offensichtlich, dass die ausschlaggebende Frage für alle Gruppen die nach den sogenannten Identitätsdaten Ethnie, Nationalität, Religion und Muttersprache ist.

Der Entwurf des Formulars für die Volkszählung rief eine Vielzahl an Beschwerden aus der Zivilgesellschaft hervor, besonders unter Minderheiten. Die vorgegebenen Antworten zur Frage nach der Nationalität ließen nur zu, sich entweder als “bosniakisch”, “serbisch”, “kroatisch” oder “anderes” zu definieren. Ein ähnliches Prinzip wurde auch für die Kategorie „Religion” angewandt. Viele jüngere, gebildete Menschen bezeichnen sich als “Bosnier/in”, also als Bürger/in des Staates Bosnien-Herzegowina.

Im ersten Entwurf hatten sie keine Möglichkeit, sich der vorgegebenen Zuordnung zu einer Nationalität zu entziehen. Aufgrund der Einwände, auch von Seiten der EU-Statistik- Agentur, beinhaltete die Endfassung der Formulare nun zusätzliche leere Kästchen, in die abweichende Antworten zur Nationalität eingetragen werden können. Allgemein herrscht jedoch immer noch der Anschein eines “faulen Kompromisses”, der die Nationalität der individuellen bürgerlichen Identität vorzieht.

Nationalistische Kampagnen

Bild: Die Präsidenten der Länder Bosnien-Herzegowina, Serbien und Kroatien bei der Unterzeichnung des Friedensabkommens in Dayton. (c) Schlubohm

Noch vor Beginn der Zählung riefen Politiker, religiöse Führer und zahlreiche bosniakische Intellektuelle in Kampagnen die bosnisch-muslimische Bevölkerung dazu auf, das Formular wie folgt auszufüllen: Nationalität “bosniakisch”, Religion ”Islam”, Sprache “bosnisch”. Wer diese Vorgabe missachte, mache sich indirekt zum Erfüllungsgehilfen des Völkermords an den Bosniaken, lautete der extremste Vorwurf. Denn in der Statistik würde auf diese Weise die Gruppe der Bosniaken kleiner und schon im Krieg hätten die Serben durch ethnische Säuberungen die Zahl der Bosniaken verringert. Das Beispiel zeigt, wie aufgeheizt die Diskussion zum Teil geführt wurde. Ähnliche wenn auch weniger drastische Kampagnen wurden auch von Seiten der serbischen und kroatischen Bevölkerungsgruppen und ihren religiösen Führungen unternommen.

Schlechtes Omen für Wahlen im Jahr 2014

Die Ergebnisse der Volkszählung werden mit Sicherheit für einige Diskussion und verschärfte Konflikte sorgen. Jede Seite wird versuchen, die Resultate für die eigene Agenda zu nutzen. Die vollständigen Ergebnisse werden erst in mehreren Monaten veröffentlicht, voraussichtlich noch vor den allgemeinen Wahlen, die im Jahr 2014 in Bosnien-Herzegowina stattfinden.

Bedenkt man die immense Politisierung und Hysterie, die die Volkszählung ausgelöst hat, erscheint es wahrscheinlich, dass die Ergebnisse der Volkszählung nicht für die notwendigen wirtschaftlichen Reformen – geschweige denn interethnische Aussöhnung – sondern eher als Mittel zur Manipulation der Bevölkerung instrumentalisiert werden. Es ist zu befürchten, dass die Bevölkerung auf diese Weise im nächsten Jahr verleitet wird, erneut nationalistische und korrupte Parteien zu wählen.

Zlatko Tadic ist Mitarbeiter des forumZFD
in Sarajevo, Bosnien-Herzegowina.

Dieser Artikel erschien im MAGAZIN forumZFD 4/2013. Unter diesem Link finden Sie weitere Artikel dieser Ausgabe und die Möglichkeit zur Bestellung des MAGAZINs.

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