Aktuelles

SIPRI: Weltweite Militärausgaben steigen weiter!

Nach einer Meldung des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) vom 24.4.2017 stiegen die Militärausgaben weltweit insgesamt um 1686 Miliarden Dollar, das sind 0,4 % mehr als im Vorjahr.

Sozialer Frieden – Nachhaltigkeitsstrategie und Agenda 2030 in Villigst diskutiert

Wie kann sozialer Frieden gelingen? Welche nationalen und internationalen Verpflichtungen ergeben sich aus der Agenda 2030? Diese und weitere Fragen wurden auf der Jahrestagung der Plattform zivile Konfliktbearbeitung am 31.03.-2.04.2017 diskutiert. Das forumZFD – Mitgliedsorganisation der Plattform ZKB – brachte an vielen Stellen Erfahrungen aus seiner Arbeit ein.

Aktive Gewaltlosigkeit statt Militär und Krieg: Friedenswerkstatt Berlin Pankow

Veranstaltungseinladung - Flucht, Kultur, Diversität, Integration. Dies alles sind Schlagworte, die immer wieder in der alltäglichen Debatte mit und um Geflüchtete fallen. Doch wie gestalten wir ein friedliches Miteinander?

Veranstaltung: Eine neue Städte-Agenda, auch für Köln?

Die nachhaltigen Entwicklungsziele sprechen mit Ziel 11 („Städte“) und 16 („Frieden“) gleich zweimal das Thema der sicheren und inklusiven Stadt an. Auf dem Weltsiedlungsgipfel in Quito/Ecuador wurden die Gedanken zu Ziel 11 weitergeführt und in der „New Urban Agenda“ (NUA) zusammengefasst. Ein Fachgespräch am 10. Mai in Köln widmet sich aus kommunaler Sicht der NUA und den nachhaltigen Entwicklungsziele.

„Die Welt im Gepäck“ - Bundespräsident würdigte zurückgekehrte Friedensfachkräfte

Am Freitag, 3. März 2017, fand in Berlin zum zweiten Mal nach 2015 ein Ehrentag für zurückgekehrte Entwicklungshelfer und Friedensfachkräfte statt. Rund 200 Rückkehrerinnen und Rückkehrer nahmen an der Veranstaltung unter dem Motto „Die Welt im Gepäck“ in Berlin teil.

Kölner Oberbürgermeisterin Reker besucht forumZFD in Bethlehem

Im Rahmen einer Städtepartnerschaftsreise besuchte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Februar Bethlehem und traf dort Kooperationspartner des forumZFD.

Münchner Sicherheitskonferenz: Von bitteren Pillen und wirksamer Medizin gegen Krieg und Gewalt

"Mehr Geld für Rüstung und Militär? Nicht mir uns!" Oliver Knabe, Vorstandsvorsitzender des forumZFD, berichtet über die Münchner Sicherheitskonferenz 2017. Nur durch Verzicht auf Waffeneinsatz und Aufrüstung kann die internationale Gemeinschaft tatsächlich Verantwortung in Konflikten übernehmen.

ZFD-Broschüre erschienen: Gewalt vorbeugen, Zusammenleben fördern, Rückkehr erleichtern

Die Broschüre des ZFD "Flucht. Gewalt vorbeugen, Zusammenleben fördern, Rückkehr erleichtern" zeigt, wie zivile Friedensarbeit die Auswirkungen von Flucht- und Migrationsbewegungen mildert und Frieden fördert.

Nicht mein Volk.

Die Rede des thüringischen AfD-Chefs Björn Höcke bei einer Veranstaltung der Jungen Alternative in Dresden traf nicht nur in Deutschland auf breiten Protest. Ein Kommentar von Maike Dafeld, die für das forumZFD für eine Aufarbeitung der gewaltvollen Vergangenheit im westlichen Balkan arbeitet.

Auf der Suche nach Frieden: neue Nachhaltigkeitsstrategie enttäuscht

Zur von der Bundesregierung verabschiedeten neuen Nachhaltigkeitsstrategie erklärt forumZFD-Vorstandsvorsitzender Oliver Knabe: „Die neue Nachhaltigkeitsstrategie ist friedenspolitisch zu wenig ambitioniert. Das ist enttäuschend, denn die UN-Staaten hatten 2015 auch mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung Frieden explizit als Ziel in die globalen nachhaltigen Entwicklungsziele aufgenommen.“

Seminare für Rückkehrende

Das Förderungswerk der Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste e. V. hat ihr neues Seminarprogramm 2017 veröffentlicht.

Bundeshaushalt 2017 verabschiedet: Mehr für den Frieden, ein vielfaches für den Krieg

Der Appell des forumZFD war tatsächlich erfolgreich: Die Abgeordneten haben in der letzten Beratungsrunde die Mittel für zivile Friedenspolitik deutlich erhöht! Der Bundestag hat am heutigen Freitag, 25.11.2016, den Haushalt für 2017 verabschiedet - das Missverhältnis zwischen Militärausgaben und Investitionen in zivile Friedenspolitik nimmt weiter zu.

Ziviler Friedensdienst - 17 Jahre für eine Welt ohne Gewalt

Am 22. November wird der Zivile Friedensdienst 17 Jahre alt. Seit Aussendung der ersten Friedensfachkräfte 1999 hat er sich zu einem Erfolgsmodell für Gewaltprävention und Friedensförderung entwickelt. In Zeiten zunehmender Gewaltkonflikte in der Welt muss der ZFD dringend weiter ausgebaut werden.

"Neue Geschichten braucht das Land"

Auf der friedenslogischen Aktionstagung des forumZFD im Oktober 2016 haben sich mehr als 40 Teilnehmende die Frage gestellt "Wie erzählt man vom Frieden?" Mit dabei waren die Referentinnen Maike Gosch und Prof. Dr. Hanne-Margret Birckenbach.

"Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist."

Tilman Evers verabschiedet sich aus seiner Arbeit im Vorstand des forumZFD. Als Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender hat er den Verein mit überdurchschnittlichem Engagement, Herzblut, Expertise, Hartnäckigkeit und Zuversicht maßgeblich mit aufgebaut und geprägt.

Auszeichnungen
  • Gustav-Heinemann-Bürgerpreis 1997
  • Göttinger Friedenspreis 2005
  • Friedenspreis Sievershäuser Ermutigung 2014
Kontakt

Forum Ziviler Friedensdienst e.V.
Am Kölner Brett 8, 50825 Köln

Tel.: 0221 91 27 32 - 0
kontakt@forumZFD.de
 

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Von Arabien nach Königswinter und zurück

Meine Reise durch den Krieg für eine bessere Zukunft

(Bild: © privat)

Der Weg, der vor mir liegt, ist lang. Es ist Spätsommer 2016 und ich habe mir etwas vorgenommen. Meine Familie hat Angst, aber ich kann einfach nicht anders. Ich will diese Chance unbedingt nutzen – egal was kommt.

Ich bin Faiz Al Senwi und lebe im Jemen, in der Hauptstadt Sana’a. Die Luft ist heute warm und trocken. Der letzte Regen ist gefühlt schon wieder lange her. Weggewaschen hat er die schmutzige Atmosphäre von Krieg und Gewalt nicht.

Ich beobachte meine Kinder beim Spielen im Hof. Das Leben im Krieg mit all seinen Einschränkungen und Schrecken ist Alltag für sie. Seit Jahren wird in meinem Land gekämpft. Die radikale Huthi­Bewegung kontrolliert seit dem Jahr 2012 den Nordwesten, darunter auch Sana’a, wo wir wohnen, und die Hafenstadt al­Hudaia. Der Rest des Landes ist zwischen Anhängern des abgesetzten Präsidenten Mansur Hadi und von Osten kommenden jemenitischen Al­Qa’ida­Kämpfern aufgeteilt. Selbst die Terrorgruppe IS hat es geschafft, sich im Jemen einzunisten und einige Städte im Süden und Südosten an sich zu reißen. Im Norden greifen die Kämpfe auch über die Grenze nach Saudi­Arabien über, deshalb werden seit vergangenem Jahr auch von einer dort angeführten Militärkoalition regelmäßige Bombenangriffe auf Ziele bei uns durchgeführt.

Alles wird immer schlimmer

Es gibt zu wenig Essen, zu wenig sauberes Trinkwasser, zu wenig Benzin, zu wenig, um den Lebensunterhalt zu sichern. Zu wenig von allem Notwendigen. Und zu viele Bomben und Hass.

Mit Beginn des Kriegs im Jahr 2014 unterbrechen viele internationale Organisationen, Botschaften und Konsulate ihre Arbeit in Jemen und verlassen das Land. Als selbstständiger Berater habe ich plötzlich keine Möglichkeiten mehr, Aufträge zu finden. Die eingeschränkte Reisefreiheit erschwert meine Situation zusätzlich: Überall im Land gibt es Checkpoints, an denen mir die Weiterfahrt in andere Städte verwehrt wird. Ich muss mein eigenes Unternehmen schließen, einen neuen Job finde ich nicht.

Die Hauptstadt des Jemen, Sana‘a, wird seit 2013 von Huthi-Rebellen kontrolliert. Teile der historischen Altstadt wurden durch den Krieg bereits zerstört. (© Ferdinand Reus – wikimedia commons)

Aber einfach aufgeben? Das kann ich nicht. Und dann tut sich eines Tages unerwartet eine Chance auf: Ich erhalte ein Stipendium der Friedich­Ebert­Stiftung, um an einem Kurs in Friedens­ und Konfliktarbeit der Akademie für Konflikttransformation teilzunehmen. Ich habe ein neues Ziel, ich werde nach Deutschland reisen! Doch es gehört mehr dazu, als sich in ein Flugzeug zu setzen und hinzufliegen. Viel mehr.

Denn wieder legt mir der Bürgerkrieg in meiner Heimat große Steine in den Weg. Der Flughafen in Sana’a ist geschlossen. Nur von Aden aus, im Süden an der Küste, kann man noch fliegen. Die Fahrt von Sana’a nach Aden ist jedoch nicht erlaubt und bei jeder Kontrolle wird der Geburtsort überprüft.

Meine Mutter, meine Ehefrau und meine Schwestern wollen mich nicht gehen lassen. Aus Angst vor dem, was mir zustoßen könnte, aus Angst, ich könnte nie wieder zurückkehren. Wie würde ich den Flughafen in Aden erreichen? Wie sollte ich es über die inneren Grenzen und durch die gefährlichen, umkämpften Gebiete schaffen? Würde ich sicher ankommen? Nur mein Vater ermutigt mich zu der Reise nach Deutschland. Letztlich siegt mein Wille, endlich weiterzukommen, etwas tun zu können, und ich entschließe mich, die Fahrt in den Süden zu riskieren.

Meiner Familie hinterlasse ich etwas Geld, damit sie sich in den kommenden Monaten durchschlagen kann. Der Abschied ist hart.

Die gefährlichste Reise meines Lebens

Über illegale Wege, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, per Motorrad und zu Fuß bewege ich mich heimlich immer weiter nach Süden. Ich schlafe an versteckten Orten in Städten und Dörfern, die ich nicht kenne. Wenn ich entdeckt werde, könnte ich getötet werden. Nur ein einziger Kontakt zu meiner Familie oder meinen Freunden wäre zu riskant.

Endlich, nach drei Tagen, erreiche ich Aden, erschöpft, aber noch längst nicht am Ziel. Zwei weitere Tage muss ich mich in der Stadt versteckt halten, bis mein Flieger geht. Noch immer wage ich es nicht, meine Frau anzurufen. Was wird passieren, wenn ich am Flughafen kontrolliert werde?

Beim Check­-in tritt meine Befürchtung ein: Ich werde verhaftet und stundenlang befragt. Minuten und Stunden ziehen sich in die Länge. Ich weiß nicht, was mit mir passieren wird. Am Ende gelingt es mir, die Beamten zu überzeugen. Ich darf ausreisen! Ich atme tief ein, sauge noch einmal die jemenitische Luft in mir auf und steige ins Flugzeug. Der erste Teil ist mir gelungen, aber erleichtert bin ich nicht. Meine Heimat und Familie zu verlassen ist das Eine, in ein paar Monaten die Rückkehr zu schaffen, steht mir noch bevor.

Bilder aus einem fremden Land

Es regnet, als ich Anfang September in Deutschland ankomme. Alles ist grün und die Luft riecht ganz anders als in Sana’a. Meine Kinder können sich kaum vorstellen, wie es in dem für sie fremden Land aussieht, trotz der Bilder, die ich mit dem Handy schicke.

Am 9. Oktober 2016 höre ich wieder von meiner Frau. Die Verbindung ist schlecht, aber ihr und den Kindern geht es gut. Am Tag zuvor hatte es einen Luftangriff auf eine Trauerfeier in Sana’a gegeben. 140 Menschen sterben, mehrere Hundert werden verletzt.

Ich stürze mich in die Arbeit. Ich weiß, wie wichtig die Weiterbildung für mich ist. Die folgenden Wochen bestätigen mich in der Entscheidung, die schwierige Reise auf mich genommen zu haben. Und die enge Verbindung mit den anderen Teilnehmenden, die während des Kurses entsteht, gibt mir immer wieder neue Kraft.

Faiz Al Senwi (links) hat im Herbst 2016 als Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung am Vollzeitkurs „Friedens- und Konfliktberatung“ der Akademie für Konflikttransformation im forumZFD teilgenommen und erfolgreich abgeschlossen.

Als ich am Ende das Zertifikat der Akademie für Konflikttransformation in den Händen halte, fühle ich mich selbstbewusst und zuversichtlich. Ich habe viel Fachwissen und Mut für meine Arbeit als Friedens­ und Konfliktberater gesammelt und mir einen Plan für das gemacht, was ich in den nächsten zehn Jahren erreichen möchte.

Erneute bange Momente erwarten mich am Düsseldorfer Flughafen. Nervös stehe ich am Schalter. Meine Frau, meine Kinder, meine Eltern – werde ich sie bald wiedersehen? Doch diesmal geht alles gut. Ich bekomme die Erlaubnis, nach Jemen zurückzufliegen.

Ich darf wieder nach Hause!

Es ist Mitte November. Wärmende Sonnenstrahlen empfangen mich. Meine Kinder laufen aus dem Haus, um mich zu begrüßen. Ich bin am Ende meiner Reise angelangt – erleichtert.

Eine Woche später organisiere ich in Sana’a einen dreitä­ gigen Workshop zu Methoden der gewaltfreien Konfliktbearbeitung. Das, was ich bei der Akademie gelernt habe, möchte ich direkt an so viele Menschen im Jemen weitergeben, wie ich kann. Ich baue ein kleines Team auf, das ich in Konfliktanalyse und der Planung von Friedensprojekten schule.

Erste Schritte in eine gewaltfreie Zukunft

Unsere erste Analyse machen wir an einer privaten Schule. Denn ein großes Problem im Jemen, das der Krieg mit sich bringt, ist Gewalt an Schulen. Jugendliche bringen Waffen mit, ihr Verhalten wird immer aggressiver. Auch Lehrkräfte und Schulleitung werden in schwierigen Situationen häufig gewalttätig. Mit unseren Ergebnissen wollen wir gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern Projekte entwickeln, um die Gewaltspirale zu beenden und den Umgang der Beteiligten untereinander in Zukunft friedlich, respektvoll und konstruktiv zu gestalten.

Für uns, die Menschen, die im Jemen leben, ist das ein erster Schritt, um zu lernen, dass Konflikte gewaltfrei besser bearbeitet werden können.

Der nächste Schritt mit meinem Team ist, die Rolle von Nichtregierungsorganisationen im Jemen zu analysieren. Nach einem Monat sind wir endlich so weit, dass wir anhand der Ergebnisse an verschiedenen Ideen für Friedensprojekte arbeiten. Wir suchen jetzt nach Geldmitteln, um die Projekte auch umsetzen zu können.

Unterdessen geht der Krieg um mich herum unentwegt weiter. Ständig fällt der Strom aus und die Internetverbindung zur Außenwelt ist schlecht. Aber ich gebe nicht auf. Schritt für Schritt gehe ich weiter, auf dem Weg in ein Leben mit weniger Gewalt. Und hoffentlich, irgendwann, eine Heimat ohne Krieg.

Aufgezeichnet von Kristin Kretschmann.

 

Dieser Artikel erschien im MAGAZIN 1-2017. Unter diesem Link finden Sie weitere Artikel dieser Ausgabe.

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Seit 2010 ist Faiz Al Senwi in Jemen als Berater für Kommunikation, Teambuilding und Konfliktbearbeitung tätig. Im Anschluss an die Weiterbildung in Friedens- und Konfliktarbeit führt er mit seinem Team eine Konfliktanalyse an einer Schule durch. (© privat)